Fette Mieten bei der SAGA?!

Die Proteste gegen steigende Mieten in Hamburg dauern an. Nur zwei Tage nach dem erfolgreichen "Miete nervt"-OpenAir-Konzert im Hamburger Schanzenviertel haben am Montag, den 17. Oktober, etwa 30 Wohnungssuchende und AktivistInnen der Kampagne "Mietenwahnsinn stoppen" eine Fette-Mieten-Party in der Altonaer Geschäftsstelle des städtischen Wohnungsunternehmens SAGA/GWG gefeiert.

Mit dieser Aktion wollten die TeilnehmerInnen auf die zunehmend unsoziale Wohnungspolitik der SAGA/GWG aufmerksam machen. Mit 130.000 Wohnungen verfügt die SAGA/GWG über 15% des gesamten Hamburger Wohnungsbestandes und hat damit großen Einfluss auf die Mietentwicklungen in dieser Stadt. Doch seit Jahren treibt das Unternehmen die Mieten in die Höhe. "Wir fordern: Runter mit den Mieten“, erläuterten die AktivistInnen vor Ort. Vor der geplanten Veröffentlichung des Mietenspiegels im November 2011 sollte mit der Aktion der Druck auf die Politik und das städtische Unternehmen erhöht werden. Vor zwei Jahren flatterten wenige Tage nach der Veröffentlichung des Mietenspiegels 23.000 SAGA/GWG-MieterInnen Mieterhöhungen ins Haus. In der Filiale wurde daher von den AktivistInnen gefordert: "Es darf dieses Mal keine weiteren Mieterhöhungen bei der SAGA/GWG geben."
Um 14 Uhr versammelten sich die TeilnehmerInnen am S-Bahnhof Holstenstraße, um gemeinsam zur Filiale in der Eckernförder Straße 1 zu ziehen. Als die ersten Sektkorken knallten, erschallte aus den mitgebrachten Musikboxen der Song „Our house“ der Musikgruppe Madness. Konfetti und Luftschlangen segelten durch das Foyer und an die BesucherInnen und MitarbeiterInnen der SAGA/GWG wurden Informationsblätter von den Partygästen verteilt. Ihre Forderungen lauteten:

- Die SAGA-GWG darf nicht dazu benutzt werden, Haushaltslöcher zu stopfen: Finger weg vom Uni-Umbau!
- SAGA-GWG vergesellschaften! Das heißt: Umwandlung der SAGA in eine demokratisch kontrollierte Struktur.
- Keine weiteren Mieterhöhungen bei der SAGA-GWG! Runter mit den Mieten!

Nach etwa einer halben Stunde verließen die Partygäste die Filiale. Zurück blieben überraschte SAGA-MitarbeiterInnen und reichlich Konfetti auf dem Boden.
Weiter geht es in den nächsten Tagen mit Stadtteilversammlungen in St. Pauli (22.10.) und Altona (25.10.), einer Veranstaltung zu steigenden Mieten und ALG2 (26.10.), der Aktion "Topfschlagen gegen steigende Mieten und Wohnungsnot" (27.10.) und einer großen Demonstration gegen die Wohnungspolitik in Hamburg, für eine Mietobergrenze und die Vergesellschaftung von Wohnraum am Sonnabend, den 29.10., die um 13 Uhr vom U-Bahnhof St. Pauli startet.

Zum Hintergrund:
Im Zeitraum von 1997-2008 lag die Mietsteigerung der SAGA/GWG 17,7% über der Steigerung der Durchschnittsmieten in Hamburg und um 15,5 % höher als die Steigerung der Verbraucherpreise. Insbesondere in zentralen Lagen nutzt die SAGA jede sich bietende Gelegenheit (also den alle zwei Jahre veröffentlichten Mietenspiegel, Sanierungen und Neuvermietungen), um noch mehr Geld aus den MieterInnen herauszupressen. Die SAGA/GWG leistet einen aktiven Beitrag dazu, dass ärmere Bevölkerungsschichten aus innenstadtnahen Lagen verdrängt werden: Sei es, in dem sie Häuser absichtlich verfallen lässt, um dann in Neubauten zahlungskräftigere Klientel einziehen zu lassen (wie z.B. in St. Pauli in der Trommelstraße). Oder sei es, dass Häuser saniert werden und im Anschluss die Miete drastisch erhöht wird. Ein Grund für diese Abzocke ist, dass die Gewinne von der Stadt benutzt werden, um Haushaltslöcher zu stopfen: Seit 2007 flossen jährlich 100 Millionen Euro der SAGA in einen Sonderinvestitionsfonds, aus dem u.a. der Bau der Elbphilharmonie mitfinanziert wurde. Aktuell ist geplant, dass über die Mieten der BewohnerInnen von SAGA/GWG-Wohnungen der Uni-Umbau finanziert wird. Es steht zu befürchten, dass die SAGA/GWG den kommenden Mietenspiegel erneut nutzen wird, um mit noch teureren Mieten noch mehr Gewinne zu machen.


Weitere Infos zur SAGA findet man auf der Homepage der AG Mieten im Netzwerk Recht auf Stadt

Die Bilder dieses Beitrags stammen aus einem

Video von UtopieTV zu der Aktion

 
 
 
 
 
 
Hamburg, Hamburg, Hamburg, Germany
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